August 24, 2019

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Solidarität nur unter Auflagen

Velen – „Politiker sind in aller Regel nicht von Umfrageergebnissen getrieben.“ Davon zeigte sich Richard Hilmer, Geschäftsführer des Wahl- und Trendforschungsinstituts Infratest dimap am Dienstag (3. Juli) in Velen überzeugt. Im Rahmen der diesjährigen Vertreterversammlung der VR-Bank Westmünsterland auf Gut Ross gab Hilmer Einblicke in seine Arbeit und er verriet, wie die Deutschen zurzeit zu Europa stehen.

Auf der Vertreterversammlung (von links): Dr. Wolfgang Baecker (VR-Bank), Richard Hilmer (Infratest dimap), Georg Kremerskothen (VR-Bank) und Berthold te Vrügt (VR-Bank).
Foto: Terhörst

„Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, den Politikern zu zeigen, wie die Bürger in der Zeit zwischen den Wahltagen über maßgebliche Themen denken“, umschrieb der Demoskop seine Aufgabe. Die Kritik, dass Unternehmen wie Infratest dimap mit ihren Umfragen ihrerseits die Politik beeinflussen, wollte er nicht stehen lassen: „Die meisten Politiker folgen zumindest im Blick auf die zentralen politischen Fragen einem klaren Kompass. Durch Umfragen lassen sie sich davon nicht abbringen“, argumentierte Hilmer.

Klar wurde im Rahmen der Vertreterversammlung, dass die Eurokrise und die Frage nach einem noch stärkeren Europa die Forscher von Infratest dimap genauso umtreibt, wie die Verantwortlichen bei der VR-Bank. „Wir brauchen einen von den nationalen Parlamenten positiv begleiteten Weg zur wirtschaftlichen und politischen Integration“, forderte der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank, Dr. Wolfgang Baecker, vor den fast 300 Vertretern der über 45.000 Mitglieder der VR-Bank Westmünsterland.

Eine Sichtweise, die laut Hilmer das Gros der Deutschen teilt. Die seien nämlich durchaus für ein „Mehr“ an Europa zu haben, allerdings: „Bedingungslose Solidarität, ohne Auflagen für die Krisenstaaten, wollen die Deutschen nicht. Da sind sie durchaus auf der Linie der Kanzlerin“, so Hilmer.

„Klare Spielregeln müssen für Verlässlichkeit sorgen“, machte auch Baecker deutlich. Dass Strukturreformen Zeit benötigten, liege zwar auf der Hand. „Aber die Menschen müssen auf deren Umsetzung vertrauen können“, so der Vorstandsvorsitzende weiter. Generell stellte er fest, dass die europäische Staatsschuldenkrise bei den Mitgliedern der Bank zu einer starken Verunsicherung führe. Aus seiner Sicht des ist es daher unerlässlich, dass die Staatsfinanzen in allen Euro-Staaten wieder in Ordnung gebracht werden.

Die Diskussion um eine europäische Einlagensicherung verfolgen die Verantwortlichen bei der VR-Bank indes mit einigem Argwohn. Wer eine grenzüberschreitende Einlagensicherung fordere, rede einer Vermischung großer und kleiner, voller und leerer Töpfe das Wort. Das genossenschaftliche Sicherungssystem dürfe nicht „als Melkkuh“ zur Finanzierung südeuropäischer Banken dienen. „Wer das Geld der genossenschaftlichen Sicherungseinrichtung anderen Banken in Europa zugänglich macht, enteignet die Volksbanken und ihre Mitglieder“, so Baecker.

Donnerstag, 5. Juli 2012
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