June 25, 2019

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Professionelle Freundschaften

Borken - 007 ist er nicht. Und auch wilde Verfolgungsjagden hat es in seinem Job nicht gegeben. „Das ist alles nur Klischee. Wir arbeiten mit anderen Methoden“, betonte Leo Martin, ehemaliger Geheimagent bei einem deutschen Nachrichtendienst, gestern (16. Juni) im Rahmen der Mitgliederversammlung der VR-Bank Westmünsterland. Mit welchen „Geheimwaffen der Kommunikation“ der heutige Bestsellerautor gearbeitet hat, um Vertrauenspersonen im kriminellen Milieu anzuwerben, erklärte er im Forum des Gymnasiums Mariengarden in Borken-Burlo vor rund 300 Gästen.

Im Klostergarten des Gymnasiums Mariengarden (von links): Dr. Wolfang Baecker (Vorstandsvorsitzender VR-Bank Westmünsterland), Leo Martin (ehemaliger Geheimagent und Autor), Georg Kremerskothen (Vorstand VR-Bank Westmünsterland) und Berthold te Vrügt (Bankdirektor VR-Bank Westmünsterland).
Foto: Wittenberg

Ein wesentliches Ziel seiner Arbeit war es, Vertrauenspersonen zu Informanten zu machen, um einen guten Einblick in die Strukturen und Entscheidungen der organisierten Kriminalität zu bekommen. Um die sogenannten „V-Männer“ langfristig an der richtigen Stelle zu platzieren und ihr Vertrauen zu gewinnen, konnte der Geheimagent nicht einfach mit Druck arbeiten. „Das funktioniert nicht – da macht jeder irgendwann komplett dicht. Auch Geld ist langfristig kein guter Motivator, weil man sich zu schnell daran gewöhnt. Letztendlich werden die vermeintlich guten Informationen dann bei jedem Treffen teurer“, erläuterte Martin. Bewährt habe sich vielmehr der Austausch über eine persönliche Beziehungsebene. „Ob ich Informationen bekomme, hängt davon ab, ob mir jemand vertraut“, betonte der Ex-Geheimagent. Dabei gehe es um „professionelle Freundschaften“. „Ich muss meinen V-Mann behandeln wie einen guten Freund. Das heißt aber auch, dass ich ihm mitunter seine Grenzen aufzeigen muss – dann wird man zwar vom Best-Buddy schnell zum Verfluchten, aber das muss man aushalten“, betonte Martin.

Um überhaupt Zugang zu einer Person zu finden, ist aus seiner Sicht vor allem eines Voraussetzung: „Ich muss irgendeinen Teil der Person sympathisch finden. Oftmals gehe ich dafür in seiner Vita weit zurück, bis ich den Zeitpunkt finde, zu dem er noch nicht kriminell tätig war“, erläuterte der heutige Autor. Generell eignet sich aber nicht jeder als V-Mann. Personen mit zu großen ideologischen Eigeninteressen seien weniger bereit für eine Zusammenarbeit. „Wir sind eher auf der Suche nach Mitläufer-Typen, die zwar Dreck am Stecken haben, aber keine Leichen im Keller“, betonte Martin, der seine V-Männer das erste Mal meistens auf Reisen oder bei Freizeitaktivitäten trifft. Der persönliche Kontakt sei das A und O, per Handy läuft nichts. „Wichtig ist, dass ich mich so interessant mache, dass mein V-Mann von selbst auf mich zukommt. Es folgt ein Statusspiel, bei dem ich ihm einerseits zeige, dass ich einen hohen Selbstwert habe, aber andererseits auch sein Ego ‚highlighte‘. Erst, wenn wir Gemeinsamkeiten finden und der V-Mann echte Emotionen zeigt, dann könnte er soweit sein, offen zu sprechen“, so Martin. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Informant verwertbare Infos herausgebe, betrage zwischen 75 und 80 Prozent.

Info:
Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurden Erich Kerkeling (Coesfeld) und Norbert Kessel (Reken) für ihre Ämter im Aufsichtsrat der VR-Bank Westmünsterland wiedergewählt. Darüber hinaus wurde Karl Hövel aus Südlohn aus dem Kontrollgremium verabschiedet.

Der Ex-Geheimagent Leo Martin sprach über seine „Geheimwaffen“ der Kommunikation.
Foto: Wittenberg

Dabei setzt Martin auf verschiedene „Geheimwaffen der Kommunikation“. Dazu zählt zum Beispiel Sicherheit. „Es heißt nie ‚Kannst du mir vertrauen‘, sondern ‚Auf was kannst Du vertrauen, wenn Du es mit mir zu tun hast‘. Ich muss meinem Gegenüber also Sicherheit geben, damit er weiß, woran er ist und die richtigen Entscheidungen treffen kann. Daher muss ich mich klar positionieren“, erklärte er. Auf den Geschäftsalltag bezogen, riet er den Gästen bei der Mitgliederversammlung, sich genau klar zu machen, welche Rolle Kunden und Mitarbeiter für sie spielen. Ein weiterer wichtiger Punkt in der Kommunikation sei, eine wertschätzende Grundhaltung einzunehmen. „Ich versuche, eine Win-win-Situation zu schaffen, sodass mein Gegenüber von unserer Begegnung profitiert und lasse ihn auch in Konfliktsituationen sein Gesicht wahren, erklärte der ehemalige Geheimagent.

Dass Kommunikationsstrategien wie diese auch im Unternehmeralltag anschlagen, betonte abschließend Berthold te Vrügt, Bankdirektor bei der VR-Bank Westmünsterland: „Es ist ein absolut spannendes Thema. Schließlich ist Kommunikation das A und O im Berufsleben, wenn Menschen auf Menschen treffen. Daher lassen sich solche ‚Geheimwaffen‘ der Spionage gut übertragen.“

Von Anja Wittenberg Mittwoch, 17. Juni 2015
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