June 25, 2019

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Digitalisierung: „Die Zeichen der Zeit erkannt“

Digitalisierung im Landkreis Grafschaft Bentheim: ein Round-Table-Gespräch mit den Wirtschaft-aktuell-Herausgebern Jutta Lübbert und Klaas Johannink von der Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim, Sascha Wittrock von der Kreishandwerkerschaft Grafschaft Bentheim und Ralf Hilmes von der Wirtschaftsförderung des Landkreises.

Welchen Stellenwert hat das Thema „Digitalisierung“ im Landkreis Grafschaft Bentheim?
Ralf Hilmes: Es ist eine zentrale Herausforderung und eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit für unsere mittelständischen Unternehmen, mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten. Die Digitalisierung kennzeichnet einen neuerlichen Strukturwandel. Arbeitsplätze, insbesondere in der Fertigung, fallen weg oder verändern sich massiv hin zu neuen Arbeitsplätzen, bei denen die Zusammenarbeit mit dem Roboter elementar ist. Andererseits stellt die Digitalisierung auch hohe Anforderungen an die Qualifizierung der Mitarbeiter.
Klaas Johannink: Das Thema Digitalisierung steht bei uns ganz oben auf der Agenda. Es war im Jahr 2017 sogar das Leitthema der Wirtschaftsvereinigung. Im vergangenen Jahr haben wir in vier Informationsveranstaltungen das Thema Digitalisierung aus verschiedenen Pers-pektiven betrachtet — mit sehr hoher Resonanz. Außerdem haben wir ein eigenes Expertenteam aufgestellt. Diesem gehört unter anderem Professor Dr. Ingmar Ickerott von der Hochschule Osnabrück an.
Jutta Lübbert: Das Thema ist aber nicht nur bei uns sehr prominent. Auch die Landesregierung hat den hohen Stellenwert der Digitalisierung erkannt. So wurde nicht nur das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr um den Aspekt Digitalisierung erweitert. In der neuen Legislaturperiode wird es sogar einen Sonderstaatssekretär für Digitalisierung geben.
Sascha Wittrock: Ich kann mich dem Gesagten anschließen. Auch für das Handwerk in der Grafschaft ist die Digitalisierung eines der Top-Themen. Eigens dazu haben wir im Handwerk für einen Zeitraum von drei Jahren ein Projekt unter dem Titel „Handwerk goes digital" aufgelegt.

Wie sind „Ihre" Unternehmen darauf eingestellt?
Johannink: Da gibt es eine breite Streuung. Wir haben auf jeden Fall Unternehmen, die beim Thema Digitalisierung ganz vorne mit dabei sind.
Lübbert: Sobald Unternehmen global ausgerichtet sind, sowohl bezogen auf die Kundenbeziehungen als auch bezogen auf interne Verflechtungen, sind sie digital auf jeden Fall bereits gut aufgestellt.
Wittrock: Viele unserer Handwerksunternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt und stellen sich immer besser auf das Thema ein. So ist die Digitalisierung zum Beispiel im Bau- und Ausbaugewerbe auf dem Vormarsch. Dinge wie digitale Zeiterfassung, mobiles Baustellenmanagement sind dort bereits vielfach gängige Praxis. Es gibt aber auch dort noch Luft nach oben. Ich denke da zum Beispiel an Dinge wie BIM (Anm. d. Red.: 3D-Prozess zur Planung, Entwicklung, Konstruktion und Verwaltung von Gebäuden und Infrastruktur), die künftig sicher eine sehr große Rolle spielen werden. Auch im Kfz-Gewerbe ist bereits eine starke Durchdringung festzustellen. Vor allem die Vernetzung der Betriebe mit Kunden, Lieferanten und Herstellern läuft zunehmend digital. Gleiches gilt für die Kommunikation im und mit dem Auto: Die digitale Fehlerauswertung gehört schon sehr lange zum Standard. Aber auch Dinge unter dem Stichwort Smart-Car mit Notruffunktion, WLAN, Internet und so weiter spielen eine immer wichtigere Rolle. Klar ist aber, dass es auch im Handwerk noch Unternehmen gibt, die noch nicht auf den Digitalisierungszug aufgesprungen sind.
Hilmes: Die Gesetze des Marktes zwingen viele Unternehmen bereits zum Handeln. Andere hingegen, vornehmlich die kleineren, tun sich noch schwer. Sie laufen Gefahr, den Anschluss zu verpassen. Hier müssen wir ansetzen.

Wo sehen Sie zentrale digitale Handlungsfelder in der Grafschaft?
Hilmes: Schwerpunkte liegen bei uns naturgemäß im Bereich unserer starken Branchen: Logistik, Maschinenbau, Kunststoffproduktion und Baugewerbe. Aber auch Dienstleister wie Banken, der Einzelhandel oder Reisebüros sind stark betroffen. Gleichzeitig sehen wir, dass sich die IT-Dienstleister aus der Region immer stärker des Themas annehmen und sich weiter spezialisieren – zum Beispiel mit Blick auf die Datensicherheit.
Johannink: Grundsätzlich ist das Thema Digitalisierung breit gefächert. Im Prinzip können wir aber von drei Dimensionen sprechen. Zunächst einmal ist da die interne Digitalisierung. Das beginnt mit einfachen Themen wie zum Beispiel einem ERP-System (Anm. d. Red.: IT-System zur unternehmerischen Ressourcenplanung) und zieht sich durch alle Bereiche des Unternehmens. Zweite Ebene ist die externe Vernetzung mit anderen Partnern innerhalb der supply-chain. Die dritte Ebene sind dann die eigenen Produkte, sei es, dass man rein digitale Produkte und Services anbietet oder aber die Produktpalette fit macht. Auch digitale Zusatzleistungen fallen in dieses Segment. Wir versuchen, mit unseren Veranstaltungen einen Überblick zu verschaffen und in einzelne Themen tiefer einzutauchen. Welche das sind, das entscheiden bei uns die Teilnehmer selbst.

Wie unterstützen Sie „Ihre“ Unternehmen mit Blick auf die Anforderungen der Digitalisierung darüber hinaus?

Wittrock: Im Handwerk tun wir das unter anderem mit unserer Kampagne „Handwerk goes digital“, mit der wir unseren Handwerksbetrieben ein regionales Informations- und Beratungsangebot in Sachen Digitalisierung an die Hand geben. Interessierte Betriebe erhalten darüber die Möglichkeit, den Nutzen digitaler Instrumente für die betriebliche Praxis kennenzulernen sowie die konkreten Vorteile digitaler Anwendungen für ihren Betrieb zu bestimmen. Zudem organisieren wir verschiedene Informations- und Schulungsveranstaltungen und wir geben regelmäßig Informationsschreiben heraus, mit denen wir die Grafschafter Handwerker zu aktuellen Themen der Digitalisierung auf dem Laufenden halten. Unternehmen, die sich eine intensivere Beratung wünschen, bieten wir einen kostenlosen „Digital-Check“. Die Betriebe werden dabei unterstützt, Potenziale und Chancen der Digitalisierung für das eigene Unternehmen zu ermitteln und konkrete Digitalisierungsvorhaben für den eigenen Betrieb zu definieren.
Johannink: Als Wirtschaftsvereinigung sehen wir bei dem Thema Digitalisierung unsere Rolle darin, neue Entwicklungen zu erkennen und unseren Mitgliedern dann das Wissen zukommen zu lassen. Wir sind also eine Art Plattform oder Sammelbereich, indem wir Themen aufgreifen, kritisch hinterfragen und dann die Informationen mithilfe von externen Fachleuten an unsere Mitglieder weitergeben. Gleichzeitig können unsere Mitglieder voneinander lernen. Über unsere Arbeitskreise vernetzen wir unsere Mitglieder miteinander. In dem Arbeitskreis für IT-Verantwortliche beispielsweise berichten die Mitgliedsunternehmen von ihren Erfahrungen mit Digitalisierungsprojekten. Dabei steht der Praxis- und Erfahrungsaustausch untereinander im Vordergrund. Für das kommende Jahr haben wir wieder vier Arbeitskreis-Sitzungen für IT-Verantwortliche geplant. Diese werden von Dr. Henning Krüp, IT-Leiter bei der List AG, koordiniert. Außerdem überlegen wir, 2018 das Thema „Blockchain“ näher zu beleuchten. Wir sind überzeugt davon, dass diese Technologie jenseits vom aktuellen Bitcoin-hype das Potenzial hat, bestimmte Unternehmensbereiche wie Finanzen und Logistik nochmals stark zu verändern.
Lübbert: Last but not least vertreten wir die Interessen unserer Mitglieder und sorgen so für die richtigen politischen Rahmenbedingungen. So fordern wir schon seit Jahren den Breitbandausbau und die Verbesserung der Mobilfunkversorgung in der Grafschaft Bentheim gegenüber Politik und Verwaltung. Mit der Gründung der Breitband Grafschaft Bentheim GmbH sind wir hier einen großen Schritt weiter gekommen.
Hilmes: Wir als Wirtschaftsförderung setzen unter anderem auf verschiedene Förderansätze wie den „Digitalk“, den wir in Zusammenarbeit mit Uwe Fritsch vom Steinbeis-Transferzentrum Grafschaft Bentheim organisieren. Gemeinsam bieten wir den Unternehmen in diesem Kontext einzelbetriebliche Hilfestellungen bei der Erarbeitung eigener Digitalisierungsstrategien. Es finden individuelle Beratungen, aber auch Veranstaltungen und Workshops statt, in denen die Steinbeis-Experten den teilnehmenden Unternehmen konkret weiterhelfen. Auch ein Kompetenz-Check für die Unternehmen ist Teil des Konzeptes. Darüber hinaus hat der Landkreis das Thema in seine Förderstrategie aufgenommen. Über unser Fünf-Punkte-Programm fördern wir unter anderem Maßnahmen der digitalen Prozessoptimierung für kleine Unternehmen. In der Wirtschaftsförderung selbst nimmt das Thema ebenfalls auf allen Ebenen immer mehr Raum ein – zum Beispiel in der Förder- und Projektberatung und auch in unserem Veranstaltungskalender spielen Veranstaltungen zum Thema eine sehr große Rolle. Ziel ist es, die Unternehmen mit Informationsveranstaltungen und Workshops zu sensibilisieren und am Ende auch abzuholen. 

Welche Herausforderungen gibt es im „Dunstkreis“ der Digitalisierung?
Johannink: Digitalisierung heißt, dass ein Unternehmen sein „wahres Leben“ digital abbilden muss. Hierzu ist eine Analyse des Ist-Zustandes unabdingbar. Das ist eine sehr große Herausforderung für Unternehmen und auch sehr arbeitsintensiv. Wer hier nicht sorgfältig arbeitet, kann hinterher kein sauberes Ergebnis erwarten. Gerade in dem Bereich Prozessanalyse arbeiten wir daher eng mit Professor Ickerott von der Hochschule Osnabrück am Campus Lingen zusammen. Es gibt zahlreiche Werkzeuge, mit denen Unternehmen die Grundlage für die Digitalisierung schaffen können. In der Regel macht es aber Sinn, Hilfe und Know-how von außen einzubinden. Gerade im Mittelstand dürfte das in den wenigsten Unternehmen intern zu stemmen sein. Deshalb sind wir froh, eine Hochschule mit im Boot zu haben, die praxisorientiert die Zusammenarbeit mit den Unternehmen sucht.
Lübbert: Außerdem muss sich ein Unternehmen ganz genau mit rechtlichen Rahmenbedingungen und Datenschutz auseinandersetzen. Die Unternehmen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen größtmöglicher Transparenz einerseits und Schutz der Daten andererseits. Unternehmensbezogene Daten sind die Schlagader betrieblicher Prozesse und Produkte.
Johannink: Die allergrößte Herausforderung ist aber das Thema digitale Infrastruktur. Ohne Anbindung an leistungsfähige Datennetze ist auch keine Digitalisierung für Unternehmen möglich. Hier sind wir in der Grafschaft aber auf einem guten Weg.
Hilmes: Klar ist, die Infrastruktur muss über den Breitbandausbau mitwachsen. Hierbei fordert die Wirtschaft eine abgestimmte Digitalisierungsstrategie auf Bundes- und Landesebene, die es derzeit nicht gibt!

Was können Sie tun?
Hilmes: In der Grafschaft Bentheim widmen wir uns diesem Thema bereits seit mehr als zehn Jahren. Umfassende Bestandsanalysen haben zu einem guten Überblick darüber geführt, wo die weißen Flecken in der Breitbandversorgung sind und wo unsere Maßnahmen zum Ausbau gezielt ansetzen müssen. Zunächst standen dabei verschiedene partielle Maßnahmen im Fokus. Anschlüsse an einen grenzüberschreitenden Glasfaserknoten, Richtfunklösungen und lokale Ausbauten über Wirtschaftlichkeitslückenförderung sind nur einige Stichworte aus unserer „Pionierzeit“ des Breitbandausbaus. Im November 2016 wurde dann die bereits angesprochene Breitband Grafschaft Bentheim GmbH & Co KG gegründet, eine Gesellschaft bestehend aus Landkreis, Kommunen und kommunalen Versorgern, die den Breitbandausbau speziell in der Niedergrafschaft mit einem Betreibermodell vorantreibt. Der Startschuss für die Vorvermarktungsphase für das „Grafschafter Breitband“ fiel im November 2017. Darüber hinaus unterstützt der Landkreis fortlaufend kommunale Breitbandmaßnahmen durch seine Infrastrukturförderung.
Lübbert: Überall in der Grafschaft Bentheim gibt es zurzeit Projekte, um den Glasfaserausbau voranzutreiben. Diese Aktivitäten begrüßen wir sehr. Denn: Ohne passende Infrastruktur bleiben Digitalisierungsprojekte auf der Strecke – egal wie gut angelegt sie sind.
Wittrock: Es gibt zwar noch einige „weiße Flecken“, aber dafür wurde ja die Breitband Grafschaft Bentheim GmbH & Co. KG gegründet. Zudem treibt die Deutsche Glasfaser aktuell den Ausbau in Bad Bentheim voran und in Schüttorf sind die örtlichen Stadtwerke ebenfalls in Sachen Breitbandausbau am Ball. Es ist also einiges in Bewegung und das ist gut so!
Johannink: Wir versprechen uns auch von dem Neubau eines interdisziplinären Laborgebäudes für Lehre, Forschung und Entwicklung der Hochschule Osnabrück am Campus Lingen einen noch stärkeren Impuls auf den Transfer von Wirtschaft und Wissenschaft. Dieser Neubau wird unseren Wirtschaftsstandort nochmals aufwerten.

Montag, 19. Februar 2018
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