FuckupNight: scheitern, lernen, weitermachen

Münster – Scheitern ist keine Schande – darin waren sich die vier Referenten bei der 3. FuckupNight im Schloss in Münster einig. Bei der Veranstaltung sprachen die Münsteraner Unternehmer von ihren geschäftlichen Missgeschicken und Fehlentscheidungen. Vor rund 300 Gästen machten sie klar, dass es ihnen für ihre weitere Karriere sogar gutgetan hat, einmal auf die Nase zu fallen.

Bei der FuckupNight in Münster (von links): Moderator Yves Wieloch und die Münsteraner Unternehmer David Bosse, Dominik Muhle, Jan Papenbrock und Chris Moenninghoff
Foto: Wittenberg

David Bosse, CEO und Co-Funder der Agentur Social Ads, betonte, dass für erfolgreiches Gründen nicht nur eine zündende Idee, sondern immer auch eine gute Umsetzung entscheidend sei. Er ist seit sieben Jahren selbstständig, hat in dieser Zeit sieben Unternehmen gegründet – und zwei davon vor die Wand gefahren. Gestartet ist der Jungunternehmer damals mit einem Fashion-Onlineportal, in dem  man Outfits von anderen Menschen, wie beispielsweise Promis, nachshoppen konnte. „Dabei haben wir zwei gravierende ‚Fucks‘ gemacht“, blickte Bosse zurück. Erstens: Der Businessplan bestand lediglich aus drei Seiten und enthielt genau eine Zahl, das benötigte Startkapital. „Wir hatten überhaupt keine Prognose aufgestellt, wie viel Umsatz wir erzielen wollen und müssen, um das Geschäft rentabel zu machen, und wie viele Mitarbeiter wir benötigen – wir dachten, das wird schon“, betonte Boss. „Fuck“ Nummer zwei: Eine Marktanalyse fehlte. „Wir haben uns erst Monate später mit unserem Marktumfeld beschäftigt und dann erst festgestellt, dass es überhaupt keinen Markt für unsere Geschäftsidee gab“, räumte Bosse ein. 18 Monate später, 300.000 Euro Startkapital ärmer, musste er den Online-Shop einstellen. „Wir haben in der Zeit lediglich 15.000 Euro Umsatz mit 15 Mitarbeitern gemacht. Das konnte auf Dauer einfach nicht gut gehen, sodass wir dann einen Schlussstrich gezogen haben“, erklärte Bosse, der dabei aber auch viel gelernt habe, wie er betonte. Durch das Portal habe er beispielsweise wichtige Kontakte geknüpft und eine Blogger-Community aufgebaut. So sind zwei seiner heute noch erfolgreich am Markt agierenden Firmen entstanden: eine Influencer-Marketing-Agentur und ein Influencer-Software-Unternehmen. Insgesamt beschäftigt Bosse heute 50 Mitarbeiter.

Einen Fehlstart hat auch Dominik Muhle, Geschäftsführer des Verlags dck media, hingelegt. 2015 hat er seinen Job als Verlagsleiter gekündigt und ein eigenes Unternehmen aufgebaut: einen Verlag für E-Learning gestützte Fortbildungsmagazine für den Gesundheitsbereich. Profitabel sei dck media seit 2018. Die ersten drei Jahre waren schwer. „Vor allem, weil ich zunächst mit dem falschen Produkt gestartet bin. Ich dachte, ich könnte mit einem Lernangebot für Krankenpflegekräfte, das bereits auf dem niederländischen Markt sehr gut lief, auch in Deutschland durchstarten“, erklärte Muhle. Trotz seiner Vertriebsreisen quer durch die Bundesrepublik zu sämtlichen Krankenhäusern ist der Unternehmer mit dieser Idee gescheitert. Gekauft hat die Lernhefte niemand. „Dann habe ich meine Zielgruppe geändert und ein Fortbildungsmagazin für Altenpflegekräfte auf den Markt gebracht. Das hat funktioniert. Altenpflegeheime sind in der Regel kleinere Unternehmen als Krankenhäuser, sodass ihre Entscheidungsprozesse kürzer sind und ich in meinen Vertriebsgesprächen schneller erfolgreicher mit den richtigen Personen in Kontakt kam“, blickte Muhle zurück. Sein Verlag habe sich heute fest auf dem Markt etabliert.

Über Umwege haben auch Chris Moenninghoff und Jan Papenbrock ihre Firma Blue Safety – ein Hersteller von Wasserhygienekonzepten für medizinische Einrichtungen – aufgebaut. Gestartet sind die beiden jedoch mit dem Vertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln für Sportler. „Dabei haben wir den entscheidenden Fehler gemacht, kein eigenes Produkt, für das wir die alleinigen Vertriebsrechte hatten, zu verkaufen. So haben uns andere Firmen schnell den Rang abgelaufen“, erläuterte Moenninghoff. Sein Geschäftspartner Papenbrock ergänzte: „Außerdem haben wir uns mit den falschen Menschen umgegeben. Unser eigener Investor hat uns aus dem Geschäft verdrängt und etwas eigenes aufgebaut, sodass wir Insolvenz anmelden mussten.“ Die beiden Münsteraner rieten den Gästen daher: „Macht euch unabhängig! Und reflektiert regelmäßig, ob ihr euch mit den richtigen Geschäftspartnern umgibt“, betonte Papenbrock. 
 

Von Anja Wittenberg Donnerstag, 11. April 2019