November 27, 2020

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„Die Kommunikation wird anders aussehen“

Bocholt - Wie die Digitalisierung Gigaset beeinflusst und warum er für die Telekommunikationslösungen seines Unternehmens konsequent auf eine Produktion in Deutschland setzt, erklärt Klaus Weßing, CEO der Gigaset AG in Bocholt, im Interview mit Wirtschaft aktuell.

Klaus Weßing, CEO Gigaset AG
Foto: Gigaset

Herr Weßing, mit der Entwicklung der schnurlosen Telefone haben Sie ein ursprünglich analoges Produkt sukzessive digitalisiert. 2018 ist die Produktion von Smartphones hinzugekommen. Wie kam es dazu?
Zum einen kehren wir damit zu einem gewissen Grad zurück zu unseren Wurzeln. Unser ehemaliger Mutterkonzern Siemens hat früher bereits Handys in Deutschland produziert. Zum anderen vervollständigen wir mit den Smartphones unsere Produktportfolio. 90 Prozent der Kommunikation läuft heute mobil ab – in erster Linie über das Smartphone. Als europaweiter Marktführer von Kommunikationslösungen lag es daher auf der Hand, auch diesen Bereich im Rahmen unserer Gesamtstrategie zu adressieren.

Wie schwierig ist es, sich auf dem Markt zu behaupten?

Wir sind mit der Entwicklung von Smartphones nicht angetreten, um großen Marken wie Apple, Samsung oder Huawei Konkurrenz zu machen. Wir bewegen uns eher in einer Nische: Gigaset konzentriert sich auf Smartphones im niedrigeren Preissegment unter 300 Euro, die zentrale Kundenanforderungen bedienen. Diese Nische beträgt in Deutschland immerhin 20 Prozent aller Smartphones, also rund fünf Millionen Geräte. Dazu gehören zum Beispiel auch Senioren-Smartphones mit leicht bedienbaren Apps, personalisierte Modelle mit persönlicher Gravur oder auch Smartphones für den professionellen Einsatz, über die Lagersysteme gesteuert werden können. Es geht uns perspektivisch weniger darum, Standard-Smartphones, mit denen hauptsächlich Messenger-Dienste wie WhatsApp bedient werden, zu produzieren. Es geht uns um spezifische Endkundenlösungen, die wir aufgrund unserer Produktionsmöglichkeiten mit einer viel höheren Flexibilität und Individualisierbarkeit als der Wettbewerb anbieten können – in diesem Bereich wollen wir Marktführer werden.

Glauben Sie, dass Smartphones das stationäre Telefon mittelfristig ablösen werden?
Das ist schwer zu beurteilen, aber ich denke, dass es zunächst auf eine Kombination aus beiden Produkten hinausläuft. Smartphones sind aktuell das dominantere Gerät. Allerdings nimmt das stationäre Telefon dank Voice-over-IP-Technik wieder eine wachsende Rolle ein. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig die Internettelefonie für Unternehmen und Mitarbeiter ist, um im Homeoffice ohne Störungen arbeiten zu können. Das Telefon hat eine regelrechte Renaissance im Homeoffice erlebt. Das zeigen die Zahlen aller Netzanbieter. Aber ich gehe davon aus, dass Kommunikation langfristig anders aussehen wird – das betrifft dann aber nicht nur Telefone, sondern ebenso Smartphones und Handys. Die Endgeräte, über die letztlich telefoniert wird, werden digitaler. Ich denke da zum Beispiel an Voice-over-IP-Software-Lösungen, die aus einem PC oder Mikrofon ein flexibles Softphone machen können, über das dann telefoniert wird.

Wie stellen Sie sich darauf ein?
Indem wir kontinuierliche Forschungsarbeit leisten – sowohl am Hauptsitz in Bocholt als auch in unserem polnischen Software-Entwicklungszentrum. 240 unserer insgesamt 900 Mitarbeiter sind Entwickler, die sich ausschließlich um neue Technologien kümmern. Die Digitalisierung hat die Arbeitsprozesse in unserer Branche deutlich beschleunigt. Praktisch alle zwei Wochen bringen wir neue Produkte oder Varianten auf den Markt. Da sind wir sehr dynamisch unterwegs – und das müssen wir auch sein. Denn durch die Digitalisierung ist es nicht nur möglich, Produkte immer besser und effizienter zu machen, sondern unsere Kunden erwarten das auch. Sie kommen mit ständig neuen, individuellen Anforderungen auf uns zu, für die wir dann Lösungen finden wollen. Dabei hilft uns auch unsere Industrie 4.0-Fertigung, über die wir mit kompakten Robotern Teile der Smartphone-Produktion automatisiert und damit die Montage deutlich beschleunigt haben – die große DECT-Schnurlostelefon-Produktion läuft ohnehin schon hochautomatisiert.

In Bocholt produziert Gigaset Smartphones und Telephone.
Foto: Gigaset

Welche Bedeutung hat dabei der Standort Bocholt?
Eine entscheidende Rolle. Bocholt ist der Unternehmenshauptsitz von Gigaset, an dem wir auch sämtliche Produkte fertigen. Gigaset ist seit langem das einzige europäische Unternehmen, dass Telefone und Smartphones in Deutschland produziert. Dafür haben wir uns bewusst entschieden, ein Off-Shoring stand für uns nie zur Debatte. So können wir unsere Produkte innerhalb von 24 Stunden an Endkunden und Händler in Deutschland oder innerhalb von 72 Stunden an einen der 36.000 Point of Sales innerhalb Europas ausliefern. Gleiches gilt für Reparaturen, die wir an den Geräten vornehmen. Diese Geschwindigkeitsgarantie wollen wir unseren Vertriebspartnern und Kunden geben. Das funktioniert nicht, wenn wir in Fernost produzieren lassen. Bocholt ist dafür ideal, weil es im Herzen Europas liegt. Nachhaltig, umweltgerecht und CO2-arm produzieren steht im Fokus unserer Strategie und trifft damit den Zeitgeist, wie er von Bewegungen wie „Fridays for Future-“, vor allem seitens der jüngeren Bürger gefordert wird.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren?

Ich sehe Gigaset in fünf Jahren größer und stärker als heute. Bis dahin werden wir unseren strategischen Weg weiterverfolgt und weitere Etappenziele realisiert haben. Unsere Vision „Gigaset 2025“ sieht uns dann als ganzheitlichen Lösungsanbieter im Bereich der Telekommunikation mit einem umfänglichen Eco-System für Geschäfts- und Privatkunden. In diesem Kontext wird es einen Wandel bei unseren Produkten geben. Zurzeit besteht unser Portfolio zu rund 80 Prozent aus Voice Solutions, also Endgeräten für die Kommunikation wie Telefone und Smartphones, und zu 20 Prozent aus Connected Network Solutions, also Dienstleistungen für Smart Home und vernetztes Arbeiten. Diese beiden Bereiche werden sich perspektivisch angleichen, da es in Zukunft immer relevanter sein wird, Endgeräte mitein-ander zu vernetzen, sodass sie von überall abrufbar und nutzbar sind. Für Gigaset sehe ich also eine klare und positive Zukunft.

Das Interview führte Anja Wittenberg

Von Dienstag, 1. September 2020
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