Einkommensteuer: Nach der Kurzarbeit droht die Nachzahlung

Osnabrück - Infolge der Corona-Krise befinden sich aktuelle viele Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Warum dadurch bei der Steuererklärung hohe Nachzahlungen drohen können, erklärt Vitalij Mierau, Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei HLB Klein Mönstermann aus Osnabrück.

Autor Vitalij Mierau, Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei HLB Klein Mönstermann
Foto: HLB Klein Mönstermann

Während einer Kurzarbeit erhalten Arbeitnehmer zum einen den geminderten Arbeitslohn ihres Arbeitgebers und zum anderen das Kurzarbeitergeld, das die Bundesagentur für Arbeit finanziert. Der Arbeitgeber muss für den geminderten Arbeitslohn entsprechend weniger Lohnsteuer zahlen.

Das Kurzarbeitergeld ist allein betrachtet steuerfrei. Allerdings rechnen die Finanzämter bei der Prüfung der Einkommensteuererklärung für die Ermittlung des persönlichen Steuersatzes des Arbeitnehmers das Kurzarbeitergeld fiktiv den Einkünften des Arbeitnehmers hinzu. Überschreitet das zu versteuernde Einkommen unter fiktiver Hinzurechnung des Kurzarbeitergeldes die Grenze zur nächsten Progressionsstufe, erhöht sich der persönliche Steuersatz. Dem so ermittelten Steuersatz wird das zu versteuernde Einkommen des Arbeitsnehmers unterworfen. Diese Berücksichtigung des Kurzarbeitergelds bei der Ermittlung des persönlichen Steuersatzes wird Progressionsvorbehalt genannt. Durch den erhöhten Steuersatz kann es zu einer höheren Steuerbelastung kommen. Das Kurzarbeitergeld selbst ist aber steuerfrei und unterliegt damit nicht der Lohnbesteuerung.

Mit diesem erhöhten Steuersatz rechnen viele Arbeitnehmer nicht und werden nach der Prüfung ihrer Einkommensteuererklärung von Nachzahlungen überrascht.

Lohnersatzleistungen wie das Kurzarbeitergeld sowie das Kranken- oder Elterngeld können generell immer Auswirkungen auf den persönlichen Steuersatz haben.

Für einen Steuerzahler, der als Angestellter ganz oder teilweise Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit bezieht, die dem Lohnsteuerabzug unterworfen sind, ist eine Steuererklärung nicht verpflichtend. Erhält jedoch jemand dem Progressionsvorbehalt unterliegende Lohnersatzleistungen, die im Veranlagungsjahr 410 Euro überschreiten, wird die Steuererklärung zur Pflicht.

Für etwaige Steuernachzahlungen ist es sinnvoll, sich vorher ein finanzielles Polster zu schaffen. Das ist für Menschen in Kurzarbeit aber schlichtweg oft nicht möglich. Die Frist für die Steuererklärung für 2020 läuft bis zum 31. Juli 2021. Mit der Inanspruchnahme eines Steuerberaters verlängert sich die Frist für das Abrechnungsjahr 2020 bis zum 28. Februar 2022.
 

Donnerstag, 10. September 2020