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Wenn Arbeit krank macht

Im Arbeitsalltag fallen sie zunächst fast nie negativ auf. Im Gegenteil: Sie wirken engagiert, motiviert und auch die eine oder andere Überstunde nehmen sie wie selbstverständlich in Kauf. Dennoch brennt es bei diesen Kollegen – innerlich. Die Rede ist von Menschen mit einem Burnout-Syndrom.

Arbeit kann auch krank machen. Immer mehr Menschen sind vom Burnout-Syndrom betroffen.
Foto: istockphoto.com

Burnout bedeutet sinngemäß ausgebrannt und so fühlen sich offenbar immer mehr berufstätige Menschen. Prominente Beispiele wie der Skispringer Sven Hannawald oder der Fußballer Sebastian Deisler haben das Syndrom in der Öffentlichkeit noch bekannter gemacht. Aber was genau hat es mit dieser, für viele Menschen kaum greifbaren Erkrankung, auf sich? „Burnout ist zwar in aller Munde, aber noch keine anerkannte Diagnose. Es handelt sich jedoch um einen durchaus sehr beklagenswerten Zustand, der immer häufiger auftritt“, erklärt Dr. Christos Chrysanthou, Ärztlicher Direktor der auf psychische Erkrankungen spezialisierten LWL-Klinik in Lengerich.

Viele Betroffene haben ähnliche Berufsbiografien hinter sich: Sie starten mit vollem Elan in den Job und bringen sich mitunter sogar überengagiert ein. Und genau das ist oft der Knackpunkt. „Burnout ist im Allgemeinen die Folge von persönlichen und äußeren Faktoren. Grundsätzlich entwickelt ein Mensch ein Burnout, wenn er permanent seine Kraftreserven aufbraucht und dem Körper keine Möglichkeit gibt, sich zu erholen“, beschreibt Chrysanthou. Das bedeutet freilich nicht, dass berufliches Engagement und Motivation ungewöhnlich oder gar schlecht sind. Vielmehr gibt es Menschen, die mit dieser Situation nicht zurechtkommen. Oft sind es Barrieren im Betrieb, mitunter aber auch die Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten, die dazu führen, dass der eigene Anspruch an der Wirklichkeit scheitert. Auch Mobbing oder generell schlechtes Betriebsklima kann zur Entwicklung von Burnout beitragen.

Experten teilen das Burnout-Syndrom in drei Phasen ein: In Phase eins wechseln sich Überaktivität und Erschöpfung ab. Den Betroffenen fällt es immer schwerer, die „Akkus” nach Feierabend wieder aufzuladen. Es folgt Phase zwei. Einstmals engagierte Personen stumpfen emotional ab und ziehen sich immer mehr zurück. In der dritten Phase kippt dann schließlich auch die Situation am Arbeitsplatz. Das Engagement und die Leistungsfähigkeit nehmen ab und der Elan weicht einer anhaltenden Erschöpfung. Einmal in diesem Stadium angekommen, macht die Arbeit keinen Spaß mehr. Dinge, die diese Menschen vielleicht zu Beginn noch gern erledigt haben, bearbeiten sie nun oft nur noch widerwillig oder gar ängstlich. So können zum Beispiel schon Kundentelefonate eine erhebliche Hürde im Arbeitsalltag darstellen. Oft leiden die Beziehungen zu den Kunden, aber auch zu den Kollegen. Ein Teufelskreis beginnt. „Durch seine geringe Leistung bekommt der Betroffene immer weniger positive Rückmeldungen. Er resigniert und die Belastbarkeit nimmt noch weiter ab. Diese Phase endet meist mit einer Krankmeldung, manchmal aber sogar mit einer Kündigung oder dem Vorruhestand“, weiß Chrysanthou.

Kollegen, die zu Beginn ihrer Tätigkeit nie oder kaum krank waren, sind auf einmal grippe- oder erkältungsanfällig. Aber das ist nur das, was Außenstehende beobachten können. Innerlich sieht es bei den Betroffenen genau umgekehrt aus. Sie fühlen sich rastlos, sind nervös, reizbar und mitunter sogar aggressiv. Von kleineren Konzentrationsstörungen bis hin zur Vergesslichkeit kann das die Betroffenen mitunter stark beeinträchtigen. In der Regel ist das der Zeitpunkt, an dem auch andere, körperliche Beschwerden auftreten. Von Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Durchfall oder Verstopfung bis hin zu Ohrengeräuschen, Schwindelgefühlen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Lustlosigkeit und Reizbarkeit - all das kann zum Burnout gehören. Zudem wirken die Betroffenen häufig nervös, pessimistisch, unmotiviert, entscheidungsschwach und wenig selbstbewusst. Der Gang zum Arzt bringt allerdings oft keinen Befund. Denn eine körperliche Ursache gibt es in diesen Fällen nicht, und die Betroffenen geben ihren Ärzten oft nicht den möglicherweise entscheidenden Hinweis auf die beruflichen Hintergründe.

Dabei muss es nicht so weit kommen. Denn wie so oft im Leben sind es kleine Dinge, die eine große Wirkung entfalten können. „Einem Burnout-Syndrom lässt sich am besten vorbeugen, wenn man eine gesunde Lebensweise und ein Gleichgewicht zwischen Beruf, Familie und Freizeit erreicht. Wer Anzeichen des Ausbrennens bemerkt, sollte zu allererst mehr auf die eigenen Bedürfnisse achten und für die Regeneration seiner Kräfte Sorge tragen“, empfiehlt der Ärztliche Direktor.

Nicht von Anfang an das Maximum einbringen, sondern Dosieren lautet die Devise. Es ist wichtig, die eigenen Ansprüche an der Wirklichkeit auszurichten und nicht übers Ziel hinauszuschießen. Darüber hinaus lässt sich auch im Privatleben in der Regel einiges optimieren. Ein meist unterschätzter Faktor ist zum Beispiel der Schlaf. Viele Menschen schlafen schlicht zu wenig. Sie stellen ihr Schlafverhalten auf äußere Einflusse ein und nicht umgekehrt. Im günstigsten Fall sollten längere Arbeitszeiten längere Schlaf- und Ruhezeiten nach sich ziehen. In der Realität ist es aber oft so, dass viele Menschen die Zeit, die ihnen durch Überstunden verloren geht, beim Schlaf wieder einsparen wollen.

Generell ist die Gestaltung der Freizeit ein wichtiger Schlüssel zur Vorbeugung eines Burnout. Pflegen Sie Kontakte, kultivieren Sie regelmäßige Freizeitaktivitäten und machen Sie nicht den Beruf zum Hobby. Auch körperliche Aktivitäten und physikalische Behandlungen können einem möglichen Burnout entgegenwirken. Hilfreich sind zudem Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training.
Sollten dennoch Anzeichen des Burnout auftreten, gilt es, möglichst schnell zu reagieren. „Je früher man mit der Behandlung beginnt, desto besser.

Anfangs reicht oft ein gezieltes körperliches Training, Beratung und Aktivierung von sozialen Kontakten und Freizeitaktivitäten. In der letzten Burnout-Phase braucht der Patient meist eine Psychotherapie und mitunter für eine gewisse Zeit Medikamente zum besseren Ein- und Durchschlafen oder Antidepressiva, wenn sich bereits Zeichen einer schweren oder mittelschweren Depression eingestellt haben“, skizziert Chrysanthou die Behandlung. In jedem Fall ist es unabdingbar, die oft komplexen Hintergründe der Erkrankung aufzuklären. Dennoch ist eine Burnout-Therapie nie ganz abgeschlossen. Ziel ist es, den Betroffenen zu zeigen, wie sie den Alltag bewältigen können. Denn nur so kann auch dauerhaft der Spaß am Leben und der Arbeit zurückkehren.

Von Michael Terhörst Donnerstag, 2. Februar 2012
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