May 24, 2019

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„Spitzenjahrgang“ für Agravis

Münster – Eigentlich spricht er nicht in Superlativen, wie er selbst sagt. Aber bei der Jahrespressekonferenz in Münster brachte Clemens Große Frie, Vorstandsvorsitzender der Argavis Raiffeisen AG, das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres dann doch mit großen Worten auf den Punkt: „2013 war für die Agravis-Gruppe ein Spitzenjahrgang.“

Blickte auf einen „Spitzenjahrgang“ zurück: Clemens Große Frie, Vorstandsvorsitzender bei Agravis
Foto: Wittenberg
Der Umsatz von Agravis erhöhte sich im vergangenen Jahr um knapp sechs Prozent auf über 7,5 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme erhöhte sich um vier Prozent auf rund 1,67 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern hielt mit dieser Entwicklung Schritt: Mit 53,2 Millionen Euro wurde erstmals die 50-Millionen-Euro-Marke geknackt. „Das zurückliegende Geschäftsjahr hat uns alles abverlangt. Die Wettbewerbssituation war teilweise ‚hammerhart’, an der Preisfront ging es auf und ab und auch die Wetterbedingungen waren nicht immer die besten. Dennoch blicken wir auf ein starkes ‚Finale’ im November und Dezember zurück“, erklärte Große Frie, der zusammen mit Finanzvorstand Johannes Schulte-Althoff daher eine Dividende von rund 6,1 Prozent vorschlägt.

Das Wachstum führten die Verantwortlichen bei Agravis vor allem auf den „Einstieg in neue Regionen“ und eine Reihe von Akquisitionen zurück, darunter die Übernahme von Raiffeisen Uckermark und Raiffeisen Mölln. „Damit haben wir unsere Geschäftsaktivitäten in Richtung Norden erweitert“, erläuterte Groß Frie. Neuland hat Agravis zusätzlich mit der 31,5-prozentigen Beteiligung an der Mühlengruppe Roland Mills United. „Wir wollen kein Müller werden, aber die Mühlen brauchen schließlich Getreide – und das haben wir. Mit dieser strategischen Weichenstellung haben wir einen verlässlichen Absatzkanal für unser Getreidegeschäft gesichert“, machte er klar.

Das Kerngeschäft finde weiterhin in Deutschland statt. Aber die internationale Vernetzung werde für Agravis immer wichtiger, wie Große Frie betonte: „Die beiden Joint Ventures mit der dänischen DLA-Gruppe bereiten uns viel Freude, haben sich 2013 erfolgreich weiterentwickelt und zeigen hervorragende Perspektiven.“

Mit Blick auf die einzelnen Geschäftsfelder der Unternehmensgruppe vermeldete der Vorstandsvorsitzende fast durchweg positive Ergebnisse. Zum Wachstum haben besonders die Segmente Pflanzen, Tiere und Technik beigetragen, die 75 Prozent des Umsatzes ausmachten. Im Bereich Pflanzen (Düngemittel, Pflanzenschutz, Saaten und Agrarerzeugnisse) erzielte Agravis einen Umsatz von rund 3,78 Milliarden Euro nach 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2012 (plus zehn Prozent). „Obwohl sich der Wettbewerb weiter verschärfte und hohe Volatilitäten bei den internationalen Notierungen für Agrarrohstoffe das Geschäft prägten, haben wir in diesem Bereich gute Ergebnisse erzielt“, so Große Frie. Im Geschäftsfeld Tiere, in dem die Sparten Mischfutter, Futtermittel-Spezialprodukte und Tierarzneimittel zusammengefasst sind, erzielte das Unternehmen ein Umsatzplus von acht Prozent auf rund 1,16 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,07 Milliarden Euro). „Impulse für diese positive Entwicklung kamen aus allen Bereichen“, betonte der Agravis-Chef. „Sehr gut“ am Markt positionierte sich das Geschäftsfeld Technik. „Die Landwirte investieren ungebrochen in neue Trecker, Mähdrescher und vieles mehr. Wir haben 2013 rund 24.000 Neu- und Gebrauchtmaschinen verkauft“, freute sich Große Frie. Insgesamt lag der Produktumsatz mit 689 Millionen Euro um fünf Prozent über dem Vorjahresergebnis.

Stellten auf der Jahrespressekonferenz die Ergebnisse für 2014 vor (von links: Pressesprecher Bernd Homann, Vorstandsvorsitzender Clemens Große Frie und Finanzvorstand Johannes Schulte-Althoff
Foto: Julia Edeler

Größte Einzelinvestition in Süddeutschland

Positiv entwickelten sich auch die Bereiche Bauservice (plus vier Prozent auf 118 Millionen Euro) und Märkte (plus acht Prozent auf 144 Millionen Euro). Nur im Segment Energie verzeichnete Agravis ein leichtes Minus – „das sollte uns aber nicht weiter stören“, betonte Große Frie. Der Bereich habe vor allem unter den politischen Entscheidungen zum Beispiel zur Solarförderung – „im Handel ist nichts mehr los“ – und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz gelitten. „Aufgrund der Preisentwicklung vor allem bei Kraftstoffen reduzierte sich der Produktumsatz auf 1,59 Milliarden Euro gegenüber 1,65 Milliarden Euro im Vorjahr. Das haben wir an den Tankstellen gemerkt, da der Liter Diesel teilweise weniger als 1,40 Euro kostete“, so der Vorstandsvorsitzende.

Auch 2014 will Agravis weiter wachsen. Dafür plant das Unternehmen, rund 69 Millionen Euro in diverse Projekte zu investieren. So fließen rund zehn Millionen Euro – die größte Einzelinvestition in 2014 – in den Bau eines Spezialfutterwerks im bayrischen Straubing. Damit will Agravis das Futtermittelgeschäft in Süddeutschland weiter ausbauen und Logistikosten für den Vertrieb nach Österreich und Tschechien sparen. Dass er damit anderen genossenschaftlichen Agrarhändlern im süddeutschen Raum „auf die Füße“ trete und gegen das genossenschaftliche Regionalprinzip verstoße, dementierte Große Frie deutlich: „Wir sind in dieser Region ohnehin schon stark über unsere Tochtergesellschaften Höveler und Hamburger Leistungsfutter vertreten.“ Umso kritischer blickte der Vorstandsvorsitzende auf die Veränderungen im genossenschaftlichen Verbund in unmittelbarer Nähe. Die beabsichtigte Fusion der Raiffeisen-Genossenschaft Raiwa im östlichen Niedersachsen mit der RWZ Kurhessen-Thüringen habe man „irritiert zur Kenntnis genommen“. „Wir sollten uns nicht untereinander das Leben schwer machen“, betonte Große Frie. Den Gremien von Raiwa habe er ebenfalls eine Zusammenarbeit angeboten, nachdem die Fusionsabsichten bekannt geworden waren. „Wir sind nach wie vor gesprächsbereit, aber auch Willens, die ‚Raiwa-Region’ als neues Marktpotenzial zu betrachten“, machte er klar.

Ungeachtet dessen will Agravis im laufenden Jahr auch in Münster ein weiteres Projekt umsetzen. Im Gewerbegebiet Loddenheide entsteht aktuell für rund 3,5 Millionen Euro ein 7.500 Quadratmeter großes Logistikzentrum, das das Unternehmen mieten wird. Das Warenlager soll für den im Sommer startenden Online-Handel von Agravis zur Verfügung stehen, über den das Unternehmen ein Sortiment mit rund 5.000 Artikeln vertreiben will.

Erweitert werden soll auch der Hauptsitz am Industrieweg in Münster. „Wir wollen bis zu 120 neue Mitarbeiter einstellen. Dafür brauchen wir Platz, sodass wir voraussichtlich Ende dieses Jahres, spätestens Anfang 2015 ein neues Bürogebäude bauen werden“, prognostizierte Große Frie. Zwischen fünf und sieben Millionen Euro soll der Neubau kosten. Auf das kommende Jahr blickt der Vorstandsvorsitzende „nicht euphorisch, aber zuversichtlich“: „Ziel ist es, das Umsatzergebnis von 2013 zu wiederholen.“

Von Anja Wittenberg Freitag, 7. März 2014
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