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Münster – Weil der Betrieb zu wenig Gewinn abwirft, haben immer mehr ältere Unternehmer im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region geringe Chancen, einen Nachfolger zu finden. Betroffen sind vor allem die Chefs kleinerer Unternehmen, deren Altersvorsorge dadurch in Gefahr geraten kann. Das zeigt eine aktuelle Studie, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule der Wirtschaft Nordrhein-Westfalen durchgeführt hat. Danach gelten drei Viertel der rund 31.000 nord-westfälischen Familienbetriebe, deren Inhaber über 55 Jahre alt sind, aus wissenschaftlicher Sicht als „nicht übernahmefähig“.

Basis der Untersuchung waren 95.000 Familienbetriebe in Nord-Westfalen. Davon werden 31.000 von Inhabern geführt, die älter als 55 Jahre sind. „Also gut ein Drittel der Unternehmer sollte sich gegenwärtig mit der Frage befassen, wie es mit dem Unternehmen in Zukunft weitergeht“, empfiehlt IHK-Nachfolgeberater Michael Meese.

Die Beantwortung dieser Frage wird für viele Unternehmer allerdings schwierig, weiß Meese schon aus seiner Alltagserfahrung, die von den Ergebnissen der Studie nun untermauert wird. Denn rund 23.500 der 31.000 Unternehmen haben einen Gewinn unter 50.000 Euro pro Jahr. „Diese Betriebe sind wenig attraktiv für eine Übernahme“, sagt der Experte der IHK Nord Westfalen. Geschmälert würden die Chancen zudem durch die demografische Entwicklung, die auch vor dem Unternehmernachwuchs nicht Halt macht. „Die hohe Anzahl von Unternehmen aus der Babyboomer-Generation trifft auf eine sinkende Anzahl von potenziellen Unternehmerinnen und Unternehmern“, betonte Meese. Hinzu komme, dass auch angesichts des Wandels der Wirtschaft etwa durch die zunehmende Digitalisierung „ehemals gut funktionierende Geschäftsmodelle heute nicht mehr marktfähig sind“.

Für die betroffenen Unternehmer ist das eine schwierige Situation. Das zeigt eine weitere Studie, die die nordrhein-westfälischen Industrie- und Handelskammern in Zusammenarbeit mit TNS Emnid durchgeführt hatten. „Der Verkauf des Unternehmens ist in vielen Fällen eine feste Säule bei der finanziellen Vorsorge für den Ruhestand des Unternehmers. Doch diese Rechnung geht nicht immer auf“, so Meese.

In rund einem Viertel der Fälle verfügen die Inhaber vor der Übergabe laut der landesweiten Studie über nicht genügend finanzielle Mittel für den Lebensabend. Meese rät: „Für jeden Unternehmensinhaber sollte die Vorsorge für den eigenen Ruhestand ein Handlungsfeld sein, dem er sich frühzeitig widmet.“ Eine Unternehmensnachfolge sei komplex und vielschichtig, daher bestehe ein hoher Informations- und Beratungsbedarf. Doch nur knapp die Hälfte der befragten Unternehmer fühlt sich gut auf die Unternehmensnachfolge vorbereitet.

Montag, 15. Mai 2017
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